Am 23. September 2025 lud die Stadt Göttingen ihre BNE-Beauftragten und interessierte Lehrkräfte zum regulären Netzwerktreffen ein. Im ersten Teil des Treffens nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, im Rahmen des europäischen UpSpace-Projekts an einem Round Table über Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zu diskutieren. „Wir engagieren uns oft in unserer Freizeit zusätzlich – das ist auf Dauer nicht tragbar“, sagt eine Lehrkraft. Dank des Netzwerktreffens der Stadt können sich die Lehrkräfte austauschen und positive Erfahrungen in weitere Schulen tragen.

Zeit, Geld und Freiräume – die größten Hürden

„Nachhaltigkeit lässt sich nicht hineinquetschen“, ergänzt eine andere Teilnehmerin. Zu wenig Zeit im Stundenplan, zu wenig finanzielle Mittel für Materialien und Exkursionen – das sind die alltäglichen Barrieren. Doch trotz dieser Herausforderungen sprühen die Lehrkräfte vor Ideen und Motivation.

Querschnittsthema oder eigenes Fach?

Ob Nachhaltigkeit ein eigenes Fach braucht, wird kontrovers diskutiert. „Jedes Fach kann und sollte einen Beitrag leisten – auch Mathematik oder Werte & Normen“, meint eine Teilnehmerin. Gleichzeitig wird anerkannt: „Ein eigenes Modul könnte Sichtbarkeit und Priorität schaffen.“ Einig sind sich alle: Nachhaltigkeit darf nicht auf Blümchen-Themen reduziert werden, sondern muss politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte abdecken.

Praxisnahe Ansätze und Themenfelder

Die Diskussion zeigt schnell: Projektarbeit funktioniert. Fahrradwerkstatt, Recycling-AG, Exkursionen in die Forstwirtschaft – praktische Erfahrungen stehen im Vordergrund. Auch Freiräume im Stundenplan, wie „Friday“-Projekte, wurden als besonders wertvoll gesehen. Zentrale Themen: Wasser, Konsum, Mobilität, Globalisierung, Biodiversität und die politische Dimension des Klimawandels.

Politik, Vorbilder und Gemeinschaft

Von der Politik wünschen sich die Lehrkräfte verbindliche Lehrpläne, finanzielle Unterstützung und sichtbare Rückendeckung. „Nachhaltigkeit muss von oben unterstützt werden – sonst bleibt es auf dem Rücken einzelner Lehrkräfte“, sagt ein Teilnehmer. Vorbilder, sowohl unter Lehrkräften als auch in der Gemeinschaft, sind entscheidend: „Die persönliche Haltung der Lehrkraft ist entscheidend. Ohne Vorbildfunktion bleibt es Stückwerk.“

Eltern, Vereine und lokale Expert*innen sollen aktiv eingebunden werden. Nur durch diese Vernetzung kann Nachhaltigkeit im Schulalltag lebendig werden. „Nachhaltigkeit muss normal werden – kein Projekt, sondern Alltag“, fasst eine Lehrkraft die Runde zusammen.

Fazit

Der Round Table macht deutlich: Göttinger Schulen sind auf dem Weg, Nachhaltigkeit systematisch zu verankern. Es braucht Zeit, Ressourcen, verlässliche Unterstützung – und weiterhin engagierte Lehrkräfte, die mit Begeisterung vorangehen.