Göttingen – Umweltbildung an Schulen ist ein zentrales Thema, wenn es darum geht, junge Menschen für ökologische Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und langfristig ein Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Natur, Gesellschaft und Politik zu schaffen. Im Rahmen des EU-Projekts UpSpace sprach Onyeka Oshionwu, Mitglied der Grünen Fraktion im Rat der Stadt Göttingen und engagierte Kommunalpolitikerin, über die Bedeutung von Umweltbildung, die Integration von Nachhaltigkeit in den Schulalltag und die Rolle lokaler Partnerschaften.

Warum Umweltbildung im Lehrplan unverzichtbar ist
„Ohne Umwelt gibt es kein Überleben unserer Spezies“, betont Oshionwu. Ihrer Ansicht nach ist es essenziell, dass Schülerinnen und Schüler früh lernen, die Natur nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als wertvolle Ressource wahrzunehmen. „Wenn Kinder verstehen, welchen Wert intakte Ökosysteme mit etwa Bestäubern für uns alle haben, wächst das Bewusstsein für Naturschutz und nachhaltiges Handeln.“

Fächerübergreifend und praxisnah
Für die Integration ökologischer Themen in den Unterricht plädiert Oshionwu für einen kombinierten Ansatz: Nachhaltigkeit sollte in allen Fächern thematisiert werden, von Biologie über Sport bis zu Musik. Außerschulische Projekte wie Workshops oder Exkursionen spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Selbsterfahrung ermöglichen und den Schülerinnen und Schülern das Gefühl von Selbstwirksamkeit vermitteln. „Nur wer selbst aktiv wird, entwickelt nachhaltiges Bewusstsein, das über eine einzelne Unterrichtsstunde hinaus wirkt“, erklärt sie.

Unterstützung durch Bildungspolitik und Fortbildung
Oshionwu sieht die Bildungspolitik in der Verantwortung, Schulen mit ausreichenden Ressourcen zu unterstützen – sei es durch finanzielle Mittel, logistische Unterstützung oder regelmäßige Fortbildungen für Lehrkräfte. „Die Rahmenbedingungen müssen so gestaltet sein, dass Schulen und Lehrkräfte die Themen praktisch und unkompliziert umsetzen können“, so Oshionwu.

Lokale Partnerschaften als Multiplikatoren
Ein weiterer Erfolgsfaktor liegt für sie in Kooperationen mit Umweltverbänden, lokalen Behörden und Unternehmen. Diese können den Schülerinnen und Schülern praxisnahe Einblicke in nachhaltiges Wirtschaften oder Naturschutz geben und gleichzeitig Perspektiven für ein gesellschaftliches oder berufliches Engagement eröffnen. „Je mehr Kinder die Möglichkeit haben, Nachhaltigkeit praktisch zu erleben, desto nachhaltiger ist auch ihr späteres Handeln“, erklärt Oshionwu.

Erwartete Wirkung auf Schüler und Gemeinschaften
Eine konsequente Umweltbildung wirkt auf mehreren Ebenen: Sie fördert verantwortungsbewusstes Konsumverhalten, kritisches Denken und die Akzeptanz für strukturelle Maßnahmen wie nachhaltige Verkehrspolitik oder erneuerbare Energien. Oshionwu betont: „Es geht nicht darum, individuelle Schuld zu erzeugen, sondern ein Verständnis dafür zu schaffen, wie persönliche Entscheidungen und gesellschaftliche Strukturen zusammenhängen.“

UpSpace als internationale Plattform für Nachhaltigkeit
Das Waldpädagogikzentrum Göttingen – RUZ Reinhausen ist im EU-Projekt UpSpace der deutsche Partner. Das Projekt, das von Oktober 2024 bis März 2027 läuft, zielt darauf ab, „grüne Kompetenzen“ in Schulen zu fördern, insbesondere in den Bereichen nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und urbane Regeneration. Lehrkräfte und Schüler*innen profitieren von Workshops, Schulungen und digitalen Lernangeboten. Dabei entstehen auch Handbücher, Leitlinien und politische Empfehlungen, die als Best-Practice-Beispiele für nachhaltige Bildung dienen.

Oshionwu bringt ihre langjährige Erfahrung aus der politischen Arbeit, der Bildungsarbeit mit Jugendlichen und ihrem Engagement für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in das Interview ein. Sie ist überzeugt: „Wenn Umweltbildung strukturiert und praxisnah umgesetzt wird, profitieren davon nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern die gesamte lokale Gemeinschaft.“